Vorwort 14. VDIV-Branchenbarometer 7 Wie sich diese Portfoliosteuerung wirtschaftlich niederschlägt zeigt der Blick auf Umsatz und Ertrag: Die teilnehmenden Im- mobilienverwaltungen steigerten ihren Umsatz 2025 um durch- schnittlich 7,7 % – deutlich stärker als der deutsche Mittel- stand insgesamt (KfW-Mittelstandspanel: +1,2 % nominal); für 2026 planen sie mit 7,0 % mehr Umsatz. Das Betriebsergebnis wuchs mit +12,8 % sogar überproportional, die mittlere Um- satzrendite stieg auf 13,4 % (2024: 12,8 %) und liegt damit wei- terhin deutlich über dem Mittelstandsdurchschnitt von 7,0 %. Diese Steigerung vollzieht sich vor dem Hintergrund eines weiterhin angespannten gesamtwirtschaftlichen Umfelds: Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg 2025 nur um 0,2 %, die Inflationsrate verharrte bei 2,2 %. Im Wohnungsmarkt setzte sich die strukturelle Angebotsknappheit fort: 2025 wur- den mit rund 206.600 Einheiten so wenige Wohnungen fer- tiggestellt wie seit 2012 nicht mehr, während die energetische Sanierungsquote mit 0,67 % einen neuen Tiefstand erreichte, der im Segment der Wohnungseigentümergemeinschaften noch niedriger ist. Vergütung: Aufholjagd oder Bremsspur? Wie eng diese strukturelle Entwicklung mit der wirtschaftli- chen Tragfähigkeit verknüpft ist, zeigt der Blick auf die Ver- gütung. In der WEG-Verwaltung stieg der Durchschnittswert je Einheit und Monat 2025 auf 29,12 Euro (+2,7 % ggü. Vor- jahr, bei einer Inflation von 2,2 %), in der Mietverwaltung auf 30,19 Euro (+3,4 %). Über 2010 bis 2025 ergibt sich allerdings nur eine reale Steigerung von 1,5 % p. a. in der WEG- und 1,1 % p. a. in der Mietverwaltung. Auch innerhalb der WEG-Verwaltung zeigen sich deutliche Un- terschiede: Der Mittelwert von 29,12 Euro reicht von 35,84 Euro bei kleinen bis 23,56 Euro bei großen WEG. Entscheidender Vergütungsfaktor ist also die WEG-Größe, nicht die Größe der Verwaltung. Für 2026 zeichnet sich eine Trendwende ab: Ver- waltungen planen eine Regelvergütung von durchschnittlich 31,77 Euro, ein Plus von 9,1 %. Dieses fällt am stärksten bei kleinen WEG bis 10 Einheiten aus (+12,1 %). Geringer ist es bei Gemeinschaften ab 100 Einheiten (+6,4 %). Faktoren dafür sind gestiegene regulatorische Anforderungen (68,9 %), Per- sonalkosten (64,7 %), Inflation (54,4 %) und eine nicht mehr kostendeckende Vergütung (53,9 %). In der Mietverwaltung dominiert weiterhin die pauschale Abrechnung pro Einheit und Monat (56,7 %) mit einem Regelsatz von 30,19 € (+3,4 %). Für 2026 ist hier sogar eine Erhöhung um 12,1 % geplant. Die durchschnittliche prozentuale Vergütung sank 2025 auf 5,9 % der Nettokaltmiete (2024: 6,2 %, Median weiterhin 5,0 %). Für 2026 wird aber eine Steigerung um 7,0 % erwartet. Bei WEG-Neumandaten liegt der für 2026 geplante Regel- satz in den meisten Objektgrößenklassen 8,5 % bis 15,5 % über dem tatsächlich erzielten Bestandsregelsatz 2025. Bei kleinen Gemeinschaften bis 10 Einheiten liegt er sogar 22,5 % höher. In der Mietverwaltung übertrifft der geplante Neumandatssatz bei pauschaler Vergütung die Bestandspreise 2025 insgesamt um 9,7 %. Bei kleinen Objekten sind es sogar auf 14,1 %. Kalkulation und Controlling: Luft nach oben Dass Preisanpassungen notwendig sind, verwundert wenig an- gesichts der Kalkulationspraxis. Als größte Herausforderung nennen 64,7 % den schwer vorhersehbaren Zeitaufwand pro Objekt, gefolgt von Zusatzaufgaben (38,2 %) und Margen- druck auf Stundensätze (26,2 %). Zudem verfügen 21,5 % über keine systematische Kalkulationsmethode. Eine ergänzende Online-Umfrage unter 458 Verwaltungen (Januar bis Februar 2026, VDIV-Verwalter-Monitor) stützt die- se Aussage. 26,9 % führen ihr Unternehmen ohne Kennzahlen, weitere 24,8 % nutzen nur eine einzige, und nur rund 30 % prüfen zentrale Steuerungsgrößen monatlich. Bei der Vergü- tungskalkulation selbst agieren 50,4 % der teilnehmenden Unternehmen ohne kosten- und margenbasierte Grundlage. 31,0 % orientieren sich an Marktpreisen, 19,4 % verlassen sich auf ihr „Bauchgefühl“. Auch eine Zeiterfassung zur Abrech- nung variabler Vergütung erfolgt nicht durchgehend. 47,0 % der Unternehmen erfassen ihre Zeiten nicht, lediglich 13,2 % der Unternehmen verfolgen dies konsequent. Insgesamt rech- nen 45,9 % Zusatzleistungen ohne Datengrundlage ab. Auch bei qualifikationsabhängigen Stundensätzen liegt Po- tenzial brach. Der qualifikationsunabhängige Stundensatz stieg 2025 um 5,9 %, mit den größten Zuwächsen bei objekt- und techniknahen Leistungen – Hausmeister (+12,9 %), Tech- niker (+9,7 %) – und den geringsten bei Führungsfunktionen wie Geschäftsführung (+0,6 %). 75,7 % der Verwaltungen ha- ben qualifikationsabhängige Sätze zumindest teilweise ver- einbart, regional mit deutlichem Gefälle: Ost liegt bei 61,50 Euro je Stunde (17,6 % unter dem Gesamtmittelwert von 74,65 Euro), West bei 77,25 Euro (+25,6 % ggü. Ost). Nach wie vor erschreckend ist, dass nur 42,0 % der Unternehmen vereinbarte Leistungen auch konsequent abrechnen. Die Branche verschenkt damit enorme Summen. Ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial bleibt damit ungenutzt liegen. Überlastung als Normalzustand Wie stark die Branche an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, zeigt der Blick auf die Auslastung. 62,1 % geben an überlastet zu sein, knapp ein Drittel davon sogar stark. Rund jede vierte