22.04.2022 Ausgabe: 3/22

Was zahlt sich aus? - Optionen für die Abrechnung und den Betrieb von Ladeinfrastruktur in Wohn- und Gewerbeimmobilien

Wer zehn, 50 oder 100 Ladestationen für Elektroautos aufbauen will und eine möglichst flexible, kosteneffiziente und zukunftsfähige Lösung sucht, benötigt ein lokales und herstellerneutrales Lade- und Energiemanagementsystem mit offenen Schnittstellen. Hierfür ist nicht nur die technisch optimale Lösung gefragt, auch die Abrechnung der Ladevorgänge will durchdacht sein.

Optionen für die Abrechnung von Ladevorgängen
Wie schon bei der Lade-Hardware gibt es auch für die korrekte Erfassung und Verrechnung der Lade­vorgänge mehrere Software-Optionen. Müssen z. B. verschiedene Nutzergruppen berücksichtigt werden, ist es u. a. möglich, für bestimmte Nutzer, etwa Kun­den und Gäste, das Laden auf einem Firmenparkplatz kostenlos anzubieten, während Ladevorgänge regel­mäßiger Nutzer nach verbrauchten Kilowattstunden abgerechnet werden. Zugleich können Ladestationen öffentlich für Dritte zugänglich gemacht werden, an die Strom kostenpflichtig abgegeben wird.

Welches Betreibermodell eignet sich?
Für die Immobilienwirtschaft bieten sich drei gängige Betreibermodelle an: Man kann die Ladeinfrastruktur mit Unterstützung eines Full-Service-Anbieters selbst betreiben, die Ladelösung von einem externen Betreiber steuern und ver­walten lassen oder sämtliche Prozesse an einen Contractor auslagern. Jedes dieser Modelle hat spezifische Vor- und Nachteile.

Ladeinfrastruktur selbst betreiben
Wer Ladeinfrastruktur selbst betreibt, kann sie in bestehende Prozesse einbinden und flexibel an individuelle Anforderungen anpassen. Der Initialaufwand ist hier zwar etwas höher, weil dies Wissen und Kompetenzen auf dem Gebiet der E-Mobilität erfordert. Sich das anzueignen, wird sich künftig jedoch auszahlen, denn die Entwicklung hin zu rein elektrischen Antrieben ist unabwendbar und wird von Industrie und Politik konsequent verfolgt. Den Betrieb selbst zu übernehmen, bedeutet nicht nur eine Wertsteigerung für Immobilien, sondern bietet auch größtmögliche Flexibilität in Bezug auf die eingesetzte Hard- und Software und ermöglicht es zudem, von Einspar- und Erlöspotenzialen uneingeschränkt zu profitieren – heute und in Zukunft.

Einsparungen lassen sich unter anderem durch die effi­ziente Auslegung des Stromanschlusses erzielen. Intel­ligente Lade- und Energiemanagementsysteme können die Kosten um 30 bis 70 Prozent senken – sowohl bei der einmalig aufzubringenden Investition für den Aufbau als auch im laufenden Betrieb. Zusätzliche Erlöspotenziale bieten die für Ladevorgänge berech­neten Kosten, die bei Eigenbetrieb mit dem Strom­preis selbst festgelegt werden können. Die Abrechnung des Stromverbrauchs kann automatisiert erfolgen – bei ChargePilot, dem herstellerneutralen Lade- und Energiemanagementsystem von The Mobility House, etwa mit dem Abrechnungsservice @immo – oder per Export von CSV-Dateien, die die Abrechnung der Nebenkosten in eigene Prozesse integriert.

Verwaltung durch einen externen Betreiber
Wer die Steuerung und Verwaltung der selbst errichte­ten Ladelösung an einen externen Betreiber auslagert, dem bleiben zwar die Wertsteigerung der Immobilie und die Entscheidungshoheit über zukünftige Aus­baustufen, zudem fällt womöglich der operative und steuerrechtliche Aufwand geringer aus – in Bezug auf die Kosten ist diese Lösung allerdings gegenüber Woh­nungseigentümern erklärungsbedürftig. In diesem Fall profitiert nämlich der externe Betreiber von den Erlöspotenzialen, und er wird seinen Aufwand auch laufend in Rechnung stellen.

Vollständige Auslagerung aneinen Contractor
Den geringsten Aufwand verursacht das Contracting-Modell, bei dem der Contractor die Ladeinfrastruktur dem jeweiligen Anforde­rungsprofil entsprechend errichtet und betreibt. Diese Lösung wird nur von wenigen Unterneh­men angeboten und bringt manchen Nachteil mit sich, sodass sie nur selten umgesetzt wird. Zu höheren Kosten und nicht erschließbaren Erlöspotenzialen kommt hier die womöglich langfristige Bindung an Gestattungsverträge, die die Wertsteigerung mindern und auch die Ent­scheidungsfreiheit zu künftigen Ausbaustufen beschränken.

Wo sich weitere Erlös- und Einsparpotenziale heben lassen
Zwei weitere Aspekte können den Selbstbe­trieb von Ladeinfrastruktur finanziell attraktiver machen: Zum einen kann netzdienliches Laden kostensenkend wirken, zum anderen lassen sich Erlöse mit dem Verkauf von Treibhausgasminderungsquoten erzielen.

ChargePilot beispielsweise ermöglicht mit dem Zusatzmodul „Netzdienliches Laden“ auch die intelligente Steuerung mehrerer Ladestationen durch den Netzbetreiber, damit dieser Lastspit­zen im Stromnetz abfedern kann. Elektroautos werden dabei als steuerbare Verbrauchsein­richtung nach § 14a des Energiewirtschaftsge­setzes (EnWG) behandelt, wodurch Betreiber von Lade infrastruktur in den Genuss verrin­gerter Netznutzungsentgelte kommen. Da diese pro Jahr und Ladepunkt 60 bis 120 Euro ausmachen, bieten gerade umfassendere Ins­tallationen hohe Einsparpotenziale bei den Stromkosten: In einer Tiefgarage mit 20 Fahr­zeugen können dies je nach Netzbetreiber und Netzentgelt zwischen gut 1.200 und 2.400 Euro jährlich sein. Auch der Verkauf von Treibhaus-gasminderungsquoten zahlt sich bei selbst betriebener Ladeinfrastruktur aus: Betreiber öffentlicher und halböffentlicher Ladepunkte erhalten bis zu 15 Cent, bei lokalem Bezug erneuerbarer Energien sogar bis zu 35 Cent je Kilowattstunde. Die zusätzlichen Poten­ziale machen deutlich, dass Investitionen in Zukunftstechnologien selten so risikolos waren wie im Falle der Elektromobilität.

Sven Neumann

Key Account Manager beim Technologieunternehmen The Mobility House, das Lösungen für den Einstieg in die Elektromobilität anbietet.
www.mobilityhouse.com