Aufstockungen im Bestand gewinnen für den Wohnungsbau an Bedeutung. Sie nutzen vorhandene Grundstücke, bestehende Infrastruktur und bereits errichtete Gebäude. Damit können zusätzliche Wohnungen entstehen, ohne weitere Flächen zu versiegeln oder Bestandsgebäude vorschnell abzureißen. Gerade angesichts von Wohnraummangel, Klimaschutzanforderungen und knappen Ressourcen wird die Nachverdichtung zu einem strategischen Ansatz.
Die Umsetzung ist jedoch technisch anspruchsvoll. Bestandsgebäude wurden oft nach früheren Standards errichtet, Planunterlagen sind nicht immer vollständig vorhanden. Vor einer Aufstockung müssen deshalb Baukörper, Wandstärken, Baustoffe, Tragstruktur, Fundamente und Baugrund sorgfältig untersucht werden. Erst eine belastbare Bestandsanalyse zeigt, ob zusätzliche Lasten sicher aufgenommen werden können.
Eine besondere Rolle spielt der Baugrund. Reicht seine Tragfähigkeit nicht aus, kann eine Verstärkung erforderlich werden. Neben klassischen Eingriffen an Fundamenten gibt es minimalinvasive Verfahren, bei denen der Untergrund selbst verbessert wird. Dabei werden Kellerbereiche freigeräumt und kleine Bohrlöcher von rund 16 Millimeter Durchmesser in den Kellerboden gesetzt. Über spezielle Injektionspunkte wird ein Zwei-Komponenten-Harz unter Druck in den Boden eingebracht. Das Material härtet innerhalb weniger Sekunden aus, verklebt, verdichtet und versteift den Untergrund. Dadurch kann die Tragfähigkeit erhöht werden, ohne die Fundamente baulich zu verändern.
Für Wohnungsunternehmen und Immobilienverwaltungen ist der organisatorische Vorteil erheblich: Solche Maßnahmen können innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden, verursachen vergleichsweise wenig Lärm und Schmutz und ermöglichen es Mieterinnen und Mietern, während der Arbeiten in ihren Wohnungen zu bleiben. Im Anschluss kann die eigentliche Aufstockung vorbereitet oder umgesetzt werden.
Entscheidend ist die frühe Einbindung der richtigen Fachleute. Baugrundgutachter, Tragwerksplaner, Prüfingenieure, Architekten und ausführende Spezialunternehmen sollten bereits in der Planungsphase koordiniert werden. So lassen sich technische Risiken reduzieren, Kosten realistischer kalkulieren und Überraschungen im Projektverlauf vermeiden.