62,1 Prozent der befragten Unternehmen gaben bei der Befragung zum diesjährigen Branchenbarometer an, überlastet zu sein. Dabei nimmt diese Kennzahl weiter zu, je größer das Unternehmen ist. Personalengpässe potenzieren diesen Umstand, da mehr als die Hälfte der Verwaltungen offene Stellen nicht besetzen kann.
Überlastung als Normalzustand
Gleichzeitig wachsen die Anforderungen durch Wohnungseigentümergemeinschaften Digitale Prozesse, der Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeitenden werden dadurch immer wichtiger. Demgegenüber stehen investive Ausgaben, die zunehmend steigen und durch die Unternehmen erwirtschaftet werden müssen.
Portfoliosteuerung statt reiner Expansion
Als größte Herausforderungen im Arbeitsalltag nennen die Verwaltungen den schwer vorhersehbaren Zeitaufwand pro Objekt (64,7 Prozent), gefolgt von nicht kalkulierbaren Zusatzaufgaben (38,2 Prozent). Entsprechend steuern die Unternehmen ihr Portfolio zunehmend aktiv, statt auf reinen Umsatz zu achten. 57,1 Prozent planen, sich von zu zeitaufwändigen Objekten zu trennen, 49,5 Prozent wollen unrentable Mandate abgeben – nur 5,7 Prozent geben an, an ihrer bisherigen Ausrichtung festzuhalten. Diese Selektion setzt bereits bei der Akquise an: Bei 45,9 Prozent der Befragten wurde mehr als die Hälfte der eingehenden Gesuche von Eigentümergemeinschaften abgelehnt, nicht weiterverfolgt oder mit einem sogenannten Abwehrangebot beantwortet. 31,0 Prozent der Verwaltungen planen zudem, kleinere Objekte abzustoßen. 21,0 Prozent wollen künftig nur noch Objekte ab einer Mindestgröße annehmen, im Mittel liegt diese bei rund 16 Wohneinheiten je Objekt.
Erhöhung der Vergütung unumgänglich
Um Herausforderungen zu begegnen und Ansprüche der Kunden erfüllen zu können, steigen dadurch die Vergütungssätze. Im vergangenen Jahr stiegen diese in der WEG-Verwaltung um 2,7 Prozent. In der Mietverwaltung um 3,4 Prozent auf 30,19 Euro. In diesem Jahr planen die Befragten eine Regelvergütung in der WEG-Verwaltung von durchschnittlich 31,77 Euro – ein Plus von 9,1 Prozent.
„Unsere Branche setzt immer stärker auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen – und das ist angesichts steigender Anforderungen auch dringend notwendig. Wer ohne Controlling und klare Kalkulation ‚aus dem Bauch heraus‘ arbeitet, wird es künftig deutlich schwerer haben. Kennzahlen schaffen zudem Transparenz gegenüber den Eigentümern: Wenn sie verstehen, was die Arbeit einer Immobilienverwaltung tatsächlich ausmacht, können sie auch nachvollziehen, warum die Vergütung vielerorts noch nicht leistungsgerecht ist. Deshalb müssen die Unternehmen zwei Dinge bedenken: Preise anpassen und gleichzeitig die eigene Datenbasis stärken. Nur so sichern die Unternehmen ihre Wirtschaftlichkeit – und die Zukunftsfähigkeit einer Branche, die für Millionen Wohneinheiten in Deutschland Verantwortung trägt", ordnet VDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler die Erkenntnisse der wichtigsten Jahresumfrage unter Immobilienverwaltungen ein.
Die Umfrageergebnisse können hier abgerufen werden: https://vdiv.de/publikationen
Über das VDIV-Branchenbarometer: Der Verband der Immobilienverwalter Deutschland e. V. führte im Jahr 2026 zum vierzehnten Mal die umfassende Branchenanalyse – das VDIV-Branchenbarometer – durch. Im Fokus der diesjährigen Erhebung stehen erneut zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Umsatz, Betriebsergebnis, Umsatzrendite, Personalkosten und Verwaltervergütung sowie Umfang und Struktur der verwalteten Bestände. Die Studie erfasst nicht nur die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2025, sondern auch Planungen, Erwartungen und strategische Prioritäten für 2026. Vertieft untersucht werden zudem die Kalkulation und Anpassung von Vergütungen, die Akquise und Ablehnung neuer Mandate sowie die gesonderte Abrechnung von Zusatzleistungen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Beschäftigtenstruktur, Arbeitszeitmodelle, Personalgewinnung, Fluktuation, Ausbildung und Weiterbildung sowie die Entwicklung der Gehälter und variablen Vergütungsbestandteile. Ergänzend analysiert die Studie die strategische Ausrichtung der Unternehmen, insbesondere mit Blick auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Wachstum und Bestandskonsolidierung. Die Umfrage wurde vom 4. März bis zum 11. Mai 2026 online durchgeführt. An der diesjährigen Befragung nahmen 1.078 Unternehmen teil. Die komplette Abfrage wurde von 476 Unternehmen vollständig beantwortet.