27.07.2026 Ausgabe: 5/2026

Aus meinem Verwalteralltag

Manchmal ist der Preis die beste Entscheidung

Es gibt Eigentümergemeinschaften, die begleiten einen viele Jahre. Man kennt jede Besonderheit,jede Immobilie, jede Diskussion – und manchmalauch jede Endlosschleife. Von einer dieser Gemeinschaften soll hier berichtet werden.

22 Wohnungen. Berlin. Eigentlich keine große Anlage. Und doch gehört sie zu den Gemeinschaften, die im Alltag einen außergewöhnlich hohen Betreuungsaufwand verursachen. Seit rund vier Jahren beschäftigen wir uns dort beispielsweise mit der Genehmigung einer Photovoltaik-Anlage. Der Antrag stellende Eigentümer hat inzwischen unterschiedlichste Konzepte und Unterlagen vorgelegt, doch immer wieder scheitert das Vorhaben an der erforderlichen M e hr h ei t .H i nz u kommen umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen, Diskussionen über Dachterrassen, zahlreiche Rückfragen und ein hoher Abstimmungsbedarf – weit über das hinaus, was man bei einer Gemeinschaft dieser Größe erwarten würde.

Honoraranpassung zur Wiederbestellung

Vor zwei Jahren stand die Wiederbestellung als Verwalter an. Damals habe ich unser Honorar von 22 Euro auf 29 Euro netto je Einheit und Monat angehoben. Angesichts des tatsächlichen Aufwands eine absolut angemessene Anpassung. Die Reaktion? Im Beirat wurde die Erhöhung kritisch gesehen. Sie sei zu hoch, hieß es. Ich erinnere mich noch gut daran. Natürlich fragt man sich in solchen Momenten, ob man den eigenen Aufwand vielleicht doch anders bewerten sollte. Heute weiß ich: Nein!

Als die nächste Wiederbestellung näher rückte, hatte ich innerlich eigentlich schon entschieden, diese Gemeinschaft nicht weiter zu verwalten. Der Aufwand stand in keinem angemessenen Verhältnis zum Honorar. Dann erinnerte ich mich an eine Diskussion, die wir auch im VDIV Deutschland immer wieder führen: Warum trennen wir uns eigentlichvon schwierigen oder unrentablen Gemeinschaften? Weshalb versuchen wir nicht, stattdessen den tatsächlichen Aufwand transparent zu bepreisen?

Mandatsübernahme nur zum angemessenen Preis

Also habe ich genau das getan. Ich habe der Eigentümergemeinschaft angeboten, die Verwaltung fortzuführen – allerdings nun zu einem Honorar von 50 Euro je Einheit und Monat. Nicht als Provokation. Nicht als Abschreckung. Sondern weil genau das der Preis war, zu dem ich diese Gemeinschaft mit demQualitätsanspruch betreuen konnte, den ich selbst an unsere Arbeit stelle. Schließlich erhalten die Eigentümer weit mehr als die Durchführung einer Eigentümerversammlung und die Erstellung eines Wirtschaftsplans. Sie profitieren von unserem Fachwissen, unserer Erfahrung, den Rahmenverträgen der Pruß Immobilienmanagement, unserer Erreichbarkeit und der Bereitschaft, auch komplexe Prozesse über Jahre professionell zu begleiten.

Einstimmigkeit statt Diskussionen

Und dann kamdie Eigentümerversammlung. Ich warehrlich gesagt auf Diskussionen vorbereitet. Stattdessen erhielt ich einen einstimmigen Beschluss. Alle Eigentümer stimmten der Wiederbestellung zu. Einschließlich des neuen Honorars. Ich saß dort und musste selbst schmunzeln. Denn dieseEntscheidung hat auch bei mir etwas verändert. Sie hat mir ge-zeigt, dass wir Verwalterinnen und Verwalter unseren eigenen Wert manchmal geringer einschätzen als unsere Kunden.

Natürlich wird nicht jede Gemeinschaft einer deutlichen Honorarerhöhung zustimmen. Aber meine Erfahrung zeigt: Wenn wir nachvollziehbar erklären, welche Leistung wir erbringen, welchen Aufwand wir tatsächlich leisten und welchen Mehrwert professionelle Verwaltung schafft, dann sind Eigentümer durchaus bereit, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen.

Zeit für mehr Selbstbewusstsein

Vielleicht sollten wir deshalb öfter den Mut haben, unsere Leistungen nicht über die Marktbegleiter zu definieren, sondern über ihren tatsächlichen Wert. Denn eines dürfen wir bei allen Diskussionen über Fachkräftemangel, steigende gesetzliche Anforderungen und immer komplexere Verwaltungsaufgaben nicht vergessen: Wir verkaufen keine Stunden. Wir übernehmen Verantwortung. Und Verantwortung hat ihren Preis.

Deshalb möchte ich Ihnen einfach sagen: Kalkulieren Sie ehrlich und transparent. Stehen Sie zu Ihrer Qualität. Und haben Sie den Mut, den Preis aufzurufen, den Ihre Leistung tatsächlich wert ist. Wir Verwalterinnen und Verwalter schaffen jeden Tag Werte für Immobilien, für Eigentümergemeinschaften und für das Zusammenleben vieler Menschen. Diese Verantwortung verdient Anerkennung. Und sie verdient eine angemessene Vergütung. Qualität hat ihren Preis. Es ist an der Zeit, dass wir ihn auch selbstbewusst vertreten!

VDIV Aktuell Autorin - Sylvia Pruß
Pruss, Sylvia

Präsidentin
VDIV Deutschland

Kennen Sie schon unsere vielseitigen Angebote?