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Fachmännische Wartung, Reparatur und Sanierung erweitern die Nutzungsmöglichkeiten.
Regen und Hagel, Kälte und Hitze – an Flachdächer werden große Anforderungen gestellt. Deshalb sind regelmäßige Wartungen und gegebenenfalls fachgerechte Sanierung unerlässlich, um kostspielige Schäden durch Wasser zu vermeiden. Auch können die Vorschriften der Energieeinsparverordnung (EnEV) eine energetische Sanierung erfordern. Ein in seinen Komponenten und auf das Dach abgestimmter Systemaufbau bietet langfristig Sicherheit und erlaubt es auch, bisher brachliegende Dachflächen attraktiv zu gestalten oder gewinnbringend zu nutzen.
Flachdächer bedürfen jährlicher Pflege, um das darunter liegende Bauwerk vor Wassereintritt und Wärmeverlust zu schützen. Dabei muss das Entwässerungssystem des Dachs sauber gehalten werden: Um Wasserrückstau zu vermeiden, sind vor allem Ablaufgitter, Entwässerungsrinnen und Notüberläufe zu reinigen, Schmutzablagerungen, aber auch Flugsamen und daraus resultierender Pflanzentrieb zu entfernen, Nahtverbindungen und Durchdringungen zu überprüfen.
Informationen über die wichtigsten Wartungs- und Pflegearbeiten sind in den Fachregeln aufgeführt. Dachinspektion, Wartung und Instandsetzung sind in Teil 4 der DIN 18531 geregelt. Für begrünte Dächer gilt die Dachbegrünungsrichtlinie.
Wie häufig inspiziert werden sollte, ist abhängig von der Beanspruchung der Dachabdichtung durch thermische, mechanische, biologische oder chemische Einwirkungen. Auch das Alter der Dachabdichtung, Fläche und Neigung des Dachs und die Art der Konstruktion sind entscheidend für die Festlegung der Intervalle. Generell gilt jedoch, dass die Wartung mindestens einmal pro Jahr durchgeführt werden sollte.
Bei regelmäßigen Wartungsgängen lassen sich auch Schäden am besten erkennen. Kleinere Reparaturen können im Rahmen der Instandhaltung ausgeführt werden. Bei größeren Schäden ist in der Regel eine Sanierung notwendig, um die Funktionsfähigkeit der Abdichtung oder des gesamten Aufbaus wieder herzustellen. Eine zu geringe Dämmung erfordert eine energetische Sanierung nach EnEV. Für die Sanierung gibt es keine allgemeingültige Patentlösung. Hier ist der Fachberater der richtige Ansprechpartner. Er kennt Materialien und Dachsysteme, die entsprechenden Bestimmungen und Richtlinien.
Bevor ein Flachdach saniert wird, muss es detailliert untersucht und eine Bestandsaufnahme vorgenommen werden. Dazu gehört die Überprüfung des vorhandenen Dachaufbaus von der Unterkonstruktion über die Dämmung bis zur Abdichtungsoberlage. Beim Dach-Check wird das Dach an verschiedenen Punkten geöffnet und der vorhandene Aufbau überprüft, um folgende Fragen zu beantworten:
Hat die Wärmedämmung schon Schaden genommen, lässt sich ein Totalabriss nicht vermeiden. Besser ist es, das bestehende Dach frühzeitig energetisch fit zu machen. Dabei wird der funktionsfähige Aufbau erhalten, was Abriss- und Entsorgungskosten spart und zusätzliche Dämmleistung bringt. Zur Erhöhung der Energieeffizienz wird auf den bestehenden, noch funktionstüchtigen Dachaufbau mit einer Dampfsperre (sd > 1500 m) ein zusätzliches Abdichtungs- und Wärmedämmpaket aufgebracht. Um Problemen mit großen Aufbauhöhen an der Attika zu entgehen, ist in jedem Fall ein effizienter Dämmstoff mit geringster Dicke und besten Dämmwerten gefordert.
Die Vorgaben der EnEV erfordern auch ein Umdenken beim Dämmen im Gebäudebestand. Mit einer effizienten Dachdämmung lässt sich viel Energie einsparen. Eine vorausschauende bessere Dämmung ist sinnvoll und eine lohnende Investition. Im Bestand kommt es besonders auf eine schlanke Dämmung an, um den Gegebenheiten von Konstruktion, Statik, Aufbauhöhe und Details ohne Folgekosten genügen zu können. Dabei gilt es, zu berücksichtigen: Welche Aufbauhöhen sind möglich, und welche Last erlaubt die Gebäudestatik? Welches Dämmmaterial passt am besten zu Dachgegebenheiten und gewünschtem U-Wert?
Je höher die Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz sind, desto leistungsfähiger muss der eingesetzte Dämmstoff sein. Hohe Dämmkraft ist hier das oberste Ziel. Sie wird mit der Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) bewertet: Je niedriger die WLS eines Dämmstoffs ist, desto besser ist der erreichbare Wärmeschutz und umso einfacher lässt sich der nach EnEV geforderte oder der gewünschte U-Wert erreichen.
Die Unterschiede sind enorm: Der Hochleistungsdämmstoff Polyurethan-Hartschaum PUR/PIR besitzt mit der niedrigsten WLS 023 den besten Dämmwert im Vergleich zu gebräuchlichen Wärmedämmstoffen, also höchste Dämmleistung bei geringster Dämmstoffdicke. Soll beispielsweise ein U-Wert ≤ 0,19 W/m²K erzielt werden, genügen bereits 120 mm PUR/PIR-Wärmedämmung, aluminiumkaschiert. Holzfaser oder Schaumglas mit ihrer viel höheren WLS 045 dämmen weitaus schlechter und benötigen deshalb mit 220 mm für das gleiche Ergebnis fast die doppelte Stärke. Styropor, EPS und Mineralfaser der WLS 035 erreichen den Wert mit 180 mm Aufbauhöhe.
Die doppelte oder ein Drittel mehr Aufbauhöhe bedeutet aber nicht nur einen weit größeren Aufwand beim Transport und in der Verarbeitung, auch bei der Ausgestaltung von Details entstehen Probleme, die Arbeitszeit und Fehlerpotenzial erhöhen. PIR ist schlank und kann mit dem Messer oder mit der Säge exakt zugeschnitten und passgenau an Durchdringungen angeschlossen werden. Die leichten Elemente können schnell und sicher wärmebrückenfrei verlegt werden. Mit Gefälledämmplatten lässt sich beim Verlegen eine z. B. zweiprozentige Neigung für einen sicheren Wasserabfluss vom Dach herstellen. PIR-Dämmstoffe sind druckfest genug, um Arbeiten auf Dachflächen zur Abdichtung sowie bei späteren Wartungen standzuhalten, und mit einer Druckfestigkeit von 120 bis 150 kPa ist PIR selbst auf genutzten Dachflächen wie Terrassen uneingeschränkt einsetzbar. Auch der Aufbau einer geeigneten Fotovoltaik-Anlage ist problemlos möglich. Dabei ist PIR schimmel- und fäulnisfest, zudem unverrottbar, sodass die Funktion über viele Jahrzehnte sichergestellt ist.
Es gibt bereits Abdichtungssysteme, die eine doppelt so lange Lebensdauer erreichen als herkömmliche Produkte. Das gibt nicht nur Sicherheit, sondern ist weitaus günstiger als eine kurzfristig billige Lösung, die durch minderwertigen Materialeinsatz und schlechte Verarbeitung zu frühzeitigen Sanierungsbedarf und gegebenenfalls Gebäudeschäden führen kann.
Auf Betonuntergründen werden gerne Dachpakete mit all ihren Schichten aufgeklebt bzw. mit Bitumen verschweißt. Der große Sicherheitsvorteil von Bitumenbahnen liegt in ihrer zweilagigen Verlegung bei versetzter Anordnung der oberen Bahn zur unteren. Ihre Gesamtdicke, die hohe Elastizität und Widerstandsfähigkeit bieten hohe mechanische Stabilität.
Wenn die Basis stimmt, also trittfest, effizient gedämmt und hochwertig abgedichtet ist, hängt der weitere Dachaufbau von den weiteren Nutzungsplänen ab: Dachbegrünungen stehen vor allem in Ballungsgebieten immer mehr für Lebensqualität. Die weitläufigen Dachflächen von Wohnanlagen erlauben vielfältige zusätzliche Nutzungen auf bereits bebautem Grund – ein Wertzuwachs, der die Flächenversiegelung ausgleicht. So verbessern neu angelegte Dachbegrünungen das Wohnklima, reduzieren die Abwasserspitzen bei Starkregen auf natürliche Weise und schützen die Abdichtung. Urban Gardening oder Dachbiotope zum Artenschutz liegen im Trend und steigern entsprechend den Immobilienwert. Eine sinnvolle Ergänzung ist auch eine Fotovoltaik-Anlage, idealerweise in Kombination mit einem Gründach. Ein dachspezifisch aufgebautes, fachgerecht verlegtes Flachdach jeder Nutzung kann bei entsprechender Qualität und Wartung ein Gebäudeleben lang funktionieren.
Hohe Maßstäbe an Planung, Material und Verarbeitung zu legen, lohnt sich in jedem Fall. Ein Flachdach mit speziell darauf abgestimmtem Systemaufbau aus Dichtung und Dämmung kann bei fachgerechter Verlegung und Wartung ein Gebäudeleben lang halten. Um Fehler zu vermeiden, bieten Hersteller Fachberatung und die Planung individueller Systeme zum Dichten und Dämmen an, gegebenenfalls auch zur Begrünung und Energiegewinnung.
Der Leiter der Anwendungstechnik der Paul Bauder GmbH & Co. KG, Stuttgart, arbeitet in Normausschüssen und Fachverbänden wie vdd, WBB, IVPU und dem Bauproduktebeirat der DGNB mit.
www.bauder.de