03.03.2026 Ausgabe: 1&2/2026

Die letzte Stufe

Warum 2026 beim Glasfaserausbau bis in die Gebäude das Jahr der Immobilienverwaltungen wird

Immobilienverwaltungen spielen längst eine Schlüsselrolle beim Glasfaserausbau. Doch 2026 wird zum Meilenstein: Gesetzliche Weichenstellungen, steigende Investitionen und neue digitale Serviceansätze beschleunigen Tempo und Abläufe spürbar. Glasfaser rückt damit endgültig ins operative Tagesgeschäft der Verwaltung.

Während sich 2025 zahlreiche Glasfaserinvestoren aus dem Markt zurückgezogen, Projekte eingefroren oder Insolvenz angemeldet haben, erhöht die Deutsche Telekom Investitionen und Ausbautempo: Im Durchschnitt gingen jede Minute sieben neue Glasfaseranschlüsse ans Netz. Inzwischen können gut 12,5 Millionen deutsche

Haushalte Glasfaseranschlüsse der Telekom buchen. „In unsicheren Zeiten zählen finanzielle Stabilität, Verlässlichkeit, Service und Qualität – für Partner ebenso wie für Bewohner“, sagt Rodrigo Diehl, Deutschlandchef der Telekom. Die Telekom arbeitet mit über 50 regionalen Netzbetreibern zusammen und leitet die Angebote von mehr als 45 Konkurrenten an die Nutzer weiter. Als anbieterneutrales Netz sichert die Telekom-Glasfaser die Unabhängigkeit von Immobilienverwaltungen, Eigentümergemeinschaften und Bewohnern.

Weniger Bürokratie, mehr Verbraucherrechte

Fiber to the Home (FTTH), also Glasfaser bis in die Wohnung, gilt inzwischen als Zielarchitektur der digitalen Infrastruktur. Die Bundesregierung plant dafür den Abbau bürokratischer Hürden: Genehmigungen sollen schneller, Abstimmungen einfacher und das Recht der Bürger auf einen Glasfaseranschluss gesetzlich gestärkt werden. Denn sie haben nichts davon, solange Glasfaser unter dem Gehweg oder im Keller endet. Die Lichtsignale müssen in die Wohnung. Etliche Gesetze und Vorschriften sollen entsprechend angepasst werden.

Der Fokus verschiebt sich: Es geht nicht mehr darum, ob Glasfaser gebaut wird, sondern wie effizient, transparent und planbar der Ausbau im Gebäude abläuft. Eigentümerbeschlüsse, Vorbegehungen, Hauszuführungen, Etagenerschließungen, Wohnungsanschlüsse und Aktivierungen – jeder Schritt erfordert genaue Planung und Kommunikation.

Den Engpass im Gebäude überwinden

Der Erfolg des Glasfaserausbaus entscheidet sich in Mehrfamilienhäusern. Immobilienverwaltungen übernehmen dabei eine zentrale Rolle: Sie moderieren zwischen Netzbetreibern, Eigentümern und Bewohnern, sorgen dafür, dass Entscheidungen tragfähig getroffen werden und koordinieren Zugänge, Beschlüsse und Termine. Die Telekom suchte deshalb früh die Zusammenarbeit mit dem VDIV Deutschland. Der Verband unterstützt seine Mitglieder heute mit umfangreichen Materialien – darunter Präsentationen, Beschlussvorlagen und Musteranschreiben. Diese Praxisnähe fließt zunehmend in die Planung und Kommunikation der Ausbauphasen ein.

Neue Informationslogik: mehr Transparenz, weniger Aufwand

Glasfaser-Erschließungsgebiete folgen der technischen Netztopografie, nicht Gemeindegrenzen oder Gebäudebeständen. Auch die Nachfrage beeinflusst die Ausbauplanung. Das erklärt den zeitlich versetzten Ausbau: Selbst innerhalb einer Gemeinde oder eines Quartiers werden einzelne Liegenschaften zu unterschiedlichen Zeiten angeschlossen. Unkalkulierbare Faktoren – bedingt durch behördliche Genehmigungen, lokale Auflagen, Wetter oder nicht kartierte Funde im Baugrund – erschweren die Planung zusätzlich. Für Verwaltungen mit vielen, verstreuten Liegenschaften bedeutet das viel Aufwand. „Deshalb entwickeln wir unsere Serviceangebote konsequent aus Sicht der Immobilienwirtschaft weiter,“ erklärt Jean-Pascal Roux, der bei der Telekom den Glasfaserbereich für die Wohnungswirtschaft verantwortet. „2026 starten wir ein neues Informationskonzept. Ziel ist eine deutlich bessere Planbarkeit und Kommunikation entlang der gesamten Prozesskette – etwa zum Ausbaufortschritt, zu nächsten Prozessschritten oder zu erforderlichen Unterlagen. Für die Immobilienverwaltung heißt das: stärker standardisierte Abläufe, mehr Transparenz und weniger Koordinationsaufwand pro Objekt.“

Technik wird einfacher, unauffälliger – und schneller

Parallel entwickelt die Telekom mit Partnern neue Verfahren, die den Ausbau im Gebäude vereinfachen. Dazu gehören nahezu unsichtbare Glasfasern, die in der Wohnung wie Klebeband verlegt werden, sowie steckbare Verbindungen, die den Installationsaufwand reduzieren. Feldtests prüfen derzeit die Praxistauglichkeit. Ziel ist es, Bauzeiten zu verkürzen und Eingriffe in Wohnungen zu minimieren.

Premium-Glasfaser: Vollausbau mit Planungssicherheit

Mit der Premium-Glasfaser bietet die Deutsche Telekom den kompletten Ausbau für Mehrparteienhäuser an. Jede Wohneinheit erhält vier Fasern: Eine versorgt die Wohnung heute, drei weitere stehen für künftige Anwendungen bereit, etwa intelligente Gebäudetechnik. Der Ausbau in einem Schritt senkt den Koordinationsaufwand, verkürzt die Bauzeit und verhindert wiederholte Eingriffe in den Wohnungsbestand.

Finanzierung nach § 72 TKG

Um den Glasfaserausbau in Mehrfamilienhäusern zu fördern, wurde das Glasfaserbereitstellungsentgelt im Telekommunikationsgesetz (TKG) eingeführt. Das Gesetz erlaubt für den Vollausbau die Erhebung eines Glasfaser-Bereitstellungsentgelts. Es kann bis zu neun Jahre lang erhoben werden und beträgt maximal 60 Euro pro Wohneinheit und Jahr. Eigentümer können die Kosten als Modernisierungsmaßnahme ansetzen oder über die Betriebskostenabrechnung weitergeben. So entsteht für Eigentümergemeinschaften und Verwaltungen ein kalkulierbarer Rahmen für die Finanzierung des Glasfaser-Vollausbaus.

Vorratsbeschluss für den Glasfaseranschluss

Um den Glasfaserausbau für Verwaltung und die Wohnungseigentümergemeinschaft zu beschleunigen, ist es empfehlenswert, einen Vorratsbeschluss einzuholen. Er regelt den Glasfaserausbau finanziell sowie technisch und sichert die Eigentümergemeinschaft ab, den Anschluss nicht zu verpassen. Der VDIV Deutschland stellt Vorlagen für den Versorgungsbeschluss und für die Verlegung im Gebäude zur Verfügung.

VDIV Aktuell Autor - Thomas Kniephoff
Kniephoff, Thomas

Leiter Immobilienwirtschaft 
KMU Telekom Deutschland GmbH 
www.telekom.de/wohnungswirtschaft