09.12.2025 Ausgabe: 8/2025

Durchgestartet

Die beiden Stipendiaten des Jahres 2023 haben ihre Weiterbildung inzwischen abgeschlossen. Wie ist es ihnen damit ergangen?

Zwei Stipendien schreibt der VDIV Deutschland in Kooperation mit dem Bochumer EBZ – Euro­päisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft jedes Jahr aus: Der Fernlehr­gang Immobilienverwalter/in (IHK) richtet sich an berufliche Quereinsteiger in die Immobilienverwaltung. Der Fernlehrgang Geprüfte/r Immobilienfachwirt/in (IHK/EBZ) bereitet in der Branche bereits Erfahrene auf mehr Verantwortung vor; der Abschluss ist dem zertifizierten Verwalter gleichgestellt. Ann-Karin Bargholz und Jan Hennig machten mit ihren Bewerbungen im Jahr 2023 das Rennen um die beiden begehrten Qualifizierungen – und berichten in Interviews von ihren Erfahrungen.

Tolle Unterstützung vom Arbeitgeber

Die gelernte Verwaltungsfachangestellte, Ann-Karin Bargholz, war nach ihrer Ausbildung in der öffentlichen Verwaltung tätig. Der Wunsch nach einer unbefristeten Vollzeitstelle führte sie in die freie Wirtschaft, wo sie mehrere Jahre im Bereich der Ferienvermietung beschäftigt war – häufig an Wochenenden, was sich nicht so recht mit der gerade gegründeten Familie vereinbaren ließ. Den Quereinstieg in die Immobilienver­waltung schaffte sie im August 2022 – als Büroassistentin der Völkmann Immobilienmanagement GmbH.

Frau Bargholz, wie kam es zu Ihrer Bewerbung um das Stipendium für den Fernlehrgang Immobilienverwalter/in (IHK)?

Als Büroassistentin merkte ich schnell, dass ich beruflich mehr wollte. Ich begleitete meine Kollegen zu den Eigentümerver­sammlungen und übernahm selbst immer mehr Aufgaben im Bereich der Objektverwaltung. Die Geschäftsführerin, Vanessa Völkmann, erhielt als Mitglied im VDIV Deutschland die Aus­schreibung der beiden Stipendien und fragte, ob ich mir das vorstellen könnte. Sie brachte mich dazu, eine Weiterbildung in diesem Bereich anzustreben, und half mir bei der Bewerbung, unter anderem indem sie mir ein Zwischenzeugnis ausstellte.

Wie lief’s mit der Fortbildung parallel zum Beruf?

Da mir nach meiner Anmeldung für den Fernlehrgang Im-mobilienverwalter/in (IHK) schnell alle Unterlagen sowie die Termine für den Online-Kurs vorlagen und mich nicht nur meine Arbeitgeber, die Familie Völkmann, sondern auch mein Mann wirklich toll unterstützten, konnte ich beides gut miteinander vereinbaren. Die Online-Schulungen wurden mit langem Vorlauf angekündigt, sodass ich die Betreuung meiner drei Kinder gut organisieren konnte, teils hat mein Mann sich Urlaub genommen. Die Bearbeitung der Studienbriefe konnte ich mir selbst einteilen – ein großer Vorteil, um weder den Job noch die Familie zu vernachlässigen. Gelernt habe ich meist abends zu Hause, aber zum Teil auch während meiner Arbeitszeit.

Wie hat sich Ihre Zusatzqualifikation auf Ihren beruflichen Werdegang ausgewirkt?

Damit bin ich nun offiziell als IHK-geprüfte Immobilienverwalterin tätig, habe neue Verantwortungsbereiche bekommen und kann mein erworbenes Wissen einsetzen. Des Weiteren steht noch die mündliche Prüfung zum zertifizierten Verwalter an.

Würden Sie die Fortbildung weiterempfehlen – warum?

Auf jeden Fall. Sie ermöglicht einen guten Einstieg oder – wie in meinem Fall – den beruflichen Aufstieg in der Immobilien­branche. Man hat keine finanziellen Einbußen während der zwölfmonatigen Fortbildung, da man seinen bestehenden Job nicht aufgeben muss. Zwischendurch habe ich mich ehrlich gesagt oft gefragt, warum ich mir das antue. Aber rückblickend ging das Jahr sehr schnell rum, und ich würde es wieder tun.

Kenntnisse systematisch vertiefen und erweitern

Jan Hennig war schon seit einigen Jahren in der Immobilienverwaltung tätig und beruflich an einem Punkt angekommen, an dem er seine Kenntnisse systematisch vertiefen und erweitern wollte. Vor allem die zunehmenden rechtlichen und technischen Anforderungen an die Branche motivierten ihn, sich eine fundierte und anerkannte Zusatzqualifikation anzueignen.

Herr Hennig, was gab den Ausschlag für Ihre Bewerbung um das Stipendium für den Fernlehrgang Geprüfte/r Immobilienfach-wirt/in (IHK/EBZ)?

Es erschien mir als geeigneter Weg, um meine vorhandenen Kenntnisse zu erweitern. Besonders wichtig war für mich, dass ich den 18-monatigen Lehrgang absolvieren konnte, ohne dafür vorübergehend mit der Ausübung meines Berufes pausieren zu müssen. Das VDIV-/EBZ-Stipendium bot mir genau diese Möglichkeit und hat mir diesen entscheidenden Schritt erleichtert.

Konnten Sie denn Beruf und Weiterbildung gut miteinander vereinbaren?

Die größte Herausforderung war sicherlich, neben den beruflichen Aufgaben konsequent Zeitfenster fürs Lernen freizuhalten. Sehr hilfreich war der klare Aufbau des Fernlehrgangs: Einmal im Quartal standen zweitägige Präsenzvorlesungen an, die einen guten Überblick über die Themen boten. Daneben waren auch sehr viele Inhalte in Eigenleistung zu erarbeiten. Besonders hilfreich war dabei die monatliche Abgabe einer kleinen Hausarbeit zu einem Lernbereich. Durch Feedback, das ich erhielt, wusste ich schnell, wo es inhaltlich noch hakt, und konnte gezielt nacharbeiten. Auf diese Weise ließ sich die Weiterbildung gut mit dem Beruf verbinden, wenn es auch bedeutete, Abende und Wochenenden regelmäßig fürs Lernen zu reservieren. Mit einer klaren Struktur und der Motivation, das Ziel zu erreichen, ließ sich das jedoch gut bewältigen.

Welche Auswirkung hat die Zusatzqualifikation für die tägliche Berufspraxis?

Das Studium hat mir fachlich sehr viel Sicherheit gegeben. Viele Inhalte konnte ich unmittelbar im Berufsalltag anwenden – etwa im rechtlichen Bereich oder bei Fragen rund um Modernisierung und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig habe ich durch den Abschluss auch offiziell dokumentiert, dass ich über fundiertes Fachwissen verfüge. Vor allem die Außenwahrnehmung bei der Kundschaft hat sich dadurch deutlich verbessert – man wird ernster genommen und nicht mehr so oft infrage gestellt. Das hat mir neue Perspektiven eröffnet und die Grundlage geschaffen, mich beruflich weiterzuentwickeln und mehr Verantwortung zu übernehmen.

Also auch eine Empfehlung für Kolleginnen und Kollegen?

Ja, uneingeschränkt – wobei ich Weiterbildungen nicht nur jungen Kolleginnen und Kollegen, sondern auch der älteren Generation ans Herz legen würde. Die Branche verändert sich rasant, und kontinuierliche Weiterbildung ist entscheidend. Stillstand bedeutet hier Rückschritt. Ob Fachwirt oder einzelne Seminare über den Verband – jede Form fachlicher Weiter­entwicklung ist wertvoll. Oft sind gerade die Themen, die man am liebsten aufschiebt, die, die am meisten bringen. Nach dem Motto: „The magic you are looking for is in the work you’re avoiding.“ Wer sich frühzeitig einer solchen Herausforderung stellt und in die eigene Qualifikation investiert, legt den Grundstein für eine langfristig erfolgreiche Karriere.

Körner, Andrea

Redaktion