27.07.2026 Ausgabe: 5/2026

Effizienter modernisieren

Wohnraummangel und Klimaziele sind eine gesellschaftspolitische Doppelaufgabe – serielle Sanierung kann helfen, sie zu lösen

Der Druck auf die Wohnungswirtschaft steigt von zwei Seiten: Zum einen fehlt in vielen Regionen weiterhin bezahlbarer Wohnraum, zum anderen müssen die Emissionen von Gebäuden im Sinne des Klimaschutzes deutlich gesenkt werden. Ein großer Teil des Gebäudebestandes ist noch immer energetischmangelhaft und muss umfassend saniert werden. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind wirtschaftliche Lösungen gefordert, die Wohnungsnutzer möglichst wenig belasten.

Ausgangslage und Herausforderungen

Viele Wohngebäude in Deutschland stammen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Ihr hoher Energieverbrauch schlägt sich in den Betriebskosten nieder und macht den Sanierungsbedarf deutlich. Mit konventionellen Sanierungen stoßen Eigentümer sogenannter „Worst Performing Buildings“ schnell an ihre Grenzen: Die Kosten sind hoch; durch den Einsatz vieler Gewerke sind Ab-läufe schwer kalkulierbar und zudem beeinträchtigen solche Maßnahmen Bewohner erheblich. So bleibt die Sanierungsquote trotz zahlreicher Förderprogramme insgesamt zu niedrig.

Vom Worst Performer zum High Performer

Vor diesem Hintergrund gewinnt die serielle Sanierung an Bedeutung. Sie zielt darauf ab, energetisch un-zureichende Gebäude effizient und gut planbar zu modernisieren. Im Unterschied zu konventionellen Verfahren steht nicht die individuelle Einzellösung im Vordergrund, sondern ein systematischer Ansatz mit wiederholbaren Abläufen.

Unternehmen wie B&O Bau setzen dies bereits in der Praxis um, indem ähnliche Gebäude strukturiert erfasst und daraus standardisierte Lösungen abgeleitet werden. Benötigte Bauteile werden industriell vorgefertigt und vor Ort montiert – ein klarer, durchgängiger Prozess, der sichauf weitere Gebäude übertragen lässt und sowohl Bauzeit als auch Planungsaufwand mindert.

Serielle Sanierungen eignen sich insbesondere für Gebäude mit wiederkehrenden Strukturen, etwa für typische Mehrfamilienhäuser aus der Nachkriegszeit mit ähnlichen Grundrissen und Fassaden, die sich flächendeckend in vielen Städten finden. Für stark individualisierte oder komplexe Baukörper hingegen ist das Verfahren weniger geeignet, weil der Grad der Standardisierung eingeschränkt ist, sodass sich gezielte Einzelmaßnahmen zur langfristigen Steigerung der Energieeffizienz emp-fehlen. Grundsätzlich gilt: Je homogener ein Gebäude, desto effizienter lassen sich serielle Verfahren anwenden und desto größer sind die erzielbaren zeitlichen und finanziellen Vorteile.

Methodik und Ablauf

Eine serielle Sanierung folgteinem klar strukturierten Ablauf: Zu Beginn wird das Gebäude in Bezug auf seine baulichen undtechnischen Anforderungen geprüft und anschließend digital erfasst. Auf dieser Grundlage werden passgenaue Fassaden-, Dach- oder Technikmodule digital entwickelt.

Ein wesentlicher Teil dererforderlichen Arbeiten wird in ein Produktionswerk verlagert. Dort werden benötigte Elemente gefertigt und bereits mit wesentlichen Komponenten wieFenstern oder Dämmung versehen. Ihre Montage erfolgt im Anschluss auf der Baustelle. Das verkürzt die Bauzeit erheblich, reduziert witterungsbedingte Verzögerungen sowie Nach-arbeiten und sichert einegleichbleibende Ausführungsqualität, wobei ein wesentlicher Vorteil darin besteht, dass Gebäude währenddessen bewohnt bleiben können.

Kombinieren lässt sich die serielle Sanierung auch mit Dachaufstockungen, durchdie neuer Wohnraum entsteht, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. In Verbindung mit industriellen Fertigungsprozessen lassen sich solche Erweiterungen zügig realisieren.

Beispiele aus der Praxis

In der Praxis zeigt sich, dass serielle Sanierungen die Effizienz von Wohngebäuden deutlich verbessern können – durch teils erheblich geringeren Energieverbrauch mit ent-sprechenden Auswirkungen auf die Betriebskosten.

Auch wirtschaftlich zeigt sich der Ansatz sinnvoll: Kürzere Bauzeiten erhöhen die Kostensicherheit und machen Projekte besser planbar. Für Mieterbleiben die Auswirkungen oft über-schaubar, weil die Mietkosten in vielen Fällen noch im Rahmen des Mietspiegels steigen und geringere Energiekosten die Mehrbelastung teilweise ausgleichen können. Referenzprojekte von B&O Bau verdeutlichen die Bandbreite dieses Ansatzes: So wurden inNürnberg-Langwasserzwei Wohngebäude mit insgesamt zwölf Wohneinheiten aus den 1960er-Jahren mit vorgefertigten Fassadenelementen modernisiert und auf den KfW-Effizienzhausstandard55 gebracht. Die Umsetzung erfolgte in weniger als einem Jahr, in dem die Bewohner nicht ausziehen mussten.

Auch ein Mehrfamilienhaus mit 24 Wohnungen in Stuttgart wurde seriell umfassend saniert – durch Erneuerung der Gebäudehülle, der technischen Gebäudeausrüstung und der Leitungsstrukturen. Die deutlich verkürzte Bauphase reduzierte die Belastung für die Bewohner spürbar.

Darüber hinaus zeigen Quartierprojekte, etwa in Heidel-berg, dass serielle Sanierung auch in größerem Maßstab funktioniert: Hier wurden insgesamt acht Gebäude mit rund 310 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit umfassend energetisch modernisiert. Ein Beispiel, das verdeutlicht, wie die Bündelung mehrerer baugleicher Gebäude Skaleneffekte nutzbar macht, die sowohl die Umsetzung beschleunigen als auch die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Fazit

Serielle Sanierung ist ein praxisnaher Ansatz, um die energetische Modernisierung des Wohnungsbestandes zu beschleunigen. Sie verbindet industrielle Effizienz mit planbaren Prozessen und trägt dazu bei, Bauzeiten und Kosten zu reduzieren. Zugleich ermöglicht sie eine Umsetzung mit geringerer Belastung für die Bewohner und verbessert die Akzeptanz vor Ort

VDIV Aktuell Autorin - Elisabeth Walther
Walther, Elisabeth

Communication Managerin 
B&O Bau GmbH 
www.buo.de/bau

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