14.04.2026 Ausgabe: 3/2026

Energiewende im Gebäudebestand

Praxisnahe Wege zu Ladeinfrastruktur und Mieterstrom im Mehrfamilienhaus

Die Anforderungen an Wohngebäude steigen: Klimaziele, Elektromobilität und volatile Energiekosten erfordern neue Lösungen. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang nimmt die Zahl entsprechender Maßnahmen seit 2025 wieder zu. Für WEG- und Mietverwaltungen ist das ein guter Zeitpunkt, Prozesse zu überprüfen, Aufwand zu reduzieren und den Mehrwert für Eigentümer und Bewohner zu steigern – vorausgesetzt, Projekte werden strukturiert geplant.

Die Mobilitäts- und Energiewende erreicht das Mehrfamilienhaus. Ladepunkte in der Tiefgarage und Photovoltaik (PV) auf dem Dach entwickeln sich – auch durch regulatorische Vorgaben – zum Ausstattungsstandard. Immobilien ohne entsprechende Infrastruktur riskieren mittelfristig Wettbewerbsnachteile. Sobald Eigentümergemeinschaften investieren möchten, sind Verwaltungen als Vermittler und Berater gefragt.

Viel Potenzial im Mieterstrom

Bislang sind nur rund 0,3 Prozent der Mehrparteienhäuser für die Erzeugung von Mieterstrom gerüstet. Grundlage der erfolgreichen Umsetzung ist eine fundierte Bestandsanalyse. Dachflächen, Leitungswege, Zählerstruktur und Netzanschluss sollten frühzeitig geprüft werden. Sorgfältige Planung vermeidet Verzögerungen und Mehrkosten. Darauf aufbauend ist ein passendes Betreibermodell zu wählen – vom Eigenbetrieb über Contracting bis zur Kooperation mit einem Energieversorger. Jede Variante unterscheidet sich hinsichtlich Verantwortlichkeit und administrativem Aufwand. Ebenso entscheidend ist das Messkonzept: Summenzählermodell oder Unterzählerlösung wirken sich auf Transparenz, Investitionshöhe und Abrechnung aus.

Ladeinfrastruktur vorausschauend planen

Auch bei der Ladeinfrastruktur empfiehlt sich der vorausschauende Ansatz. Modulare Systeme mit vorbereiteter Grundinstallation ermöglichen die spätere Erweiterung ohne erneute Baumaßnahmen. Intelligentes Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung bedarfsgerecht und kann teure Netzanschlussverstärkungen vermeiden. Sinnvoll ist es, Mieterstrom- und Ladeprojekte organisatorisch und baulich zusammen zu denken. Zwar wird der PV-Strom bilanziell im Mieterstrommodell vermarktet, doch Planung, Netzanschluss, Messkonzepte und Kommunikation lassen sich bündeln. Wer Dachflächen und Zählerplätze prüft, sollte Stellplätze und Leistungsreserven miteinbeziehen.

Das Betreibermodell entscheidet

Vor der Umsetzung empfiehlt sich die strategische Klärung: Möchte die Verwaltung zusätzliche Wertschöpfung – etwa Abrechnung oder Energielieferung – übernehmen oder sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren? Modelle von auf Wohnungseigentümergemeinschaften spezialisierten Anbietern können den Aufwand deutlich reduzieren. Immobilienverwaltungen müssen diese Aufgaben nicht allein bewältigen. Am Markt existieren Komplettlösungen, die Planung, Installation, Messkonzepte, Tarife, Service und Abrechnung aus einer Hand abdecken. Mit erfahrenen Dienstleistern wie EnBW, dem Nachhaltigkeitspartner des VDIV Deutschland, lassen sich Ladeinfrastruktur und Mieterstrom praxistauglich umsetzen – als Beitrag zur Dekarbonisierung und zur nachhaltigen Wertentwicklung des gemeinschaftlichen Eigentums.

VDIV Aktuell Autor - Dr. Alexander Conreder
Conreder, Dr. Alexander

Leitung Wohnungswirtschaft 
EnBW Energie Baden-Württemberg AG
www.enbw.com
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