09.12.2025 Ausgabe: 8/2025

Neue Wege, neue Chancen

Quereinsteiger können die Immobilienverwaltung bereichern – Unternehmen neues Personal auch ohne spezifische Vorbildung dafür fit machen und langfristig an sich binden.

Die Herausforderungen für Immobilienverwaltungen nehmen zu: Die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG) verpflichtet zu mehr Transparenz, Eigentümergemeinschaften werden fordernder, die Digitalisierung drückt aufs Tempo und der Personalmangel verschärft sich. Auf viele unbesetzte Stellen melden sich zwar Bewerberinnen und Bewerber, oft jedoch ohne passende Ausbildung. Was also tun, wenn jemand organisatorisches Talent und Berufserfahrung mitbringt, aber immobilienwirtschaftliches Fachwissen fehlt? Was früher häufig ein Ausschlusskriterium war, kann heute der Anfang eines gelungenen Quereinstiegs sein, sofern Unternehmen ihre Personalentwicklung strategisch denken.

Auf vorhandene Fähigkeiten aufbauen

Immobilienverwaltung ist längst nicht mehr nur Buchhaltung und Schlüsselübergabe. Das Tagesgeschäft ist heute so vielfältig wie die Immobilien selbst. Wer in der Miet- oder WEG-Verwaltung tätig ist, gestaltet aktiv mit – von der Kommunikation mit Eigentümern, Mietern und Dienstleistern über die Organisation baulicher Maßnahmen bis hin zur rechtssicheren Durchführung von Eigentümerversammlungen. Auch betriebswirtschaftliche Themen gehören dazu, z. B. die Erstellung von Wirtschaftsplänen, Vertragsmanagement oder Instandhaltungsstrategien. Hinzu kommen neue Anforderungen durch gesetzliche Vorgaben wie aus § 26 a WEG, ESG-Kriterien oder digitale Prozesse. Diese Vielfalt verlangt nicht nur fachliches Know-how, sondern auch kommunikatives Geschick, strukturiertes Arbeiten und ein Gespür für Menschen und Situationen. Genau das bringen viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus anderen Berufen bereits mit. Was häufig noch fehlt, ist das immobilienwirtschaftliche Handwerkszeug.

In der Praxis erhält man heute Bewerbungen von Menschen mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen, von Handwerkern, kaufmännischen Sachbearbeitern, Einzelhandelskaufleuten oder Menschen mit Verwaltungserfahrung aus anderen Branchen. Sie alle bringen oft wertvolle Soft Skills mit, aber kein spezifisches Wissen über Wohnungseigentums- und Mietrecht oder über Nebenkosten- und Hausgeldabrechnungen. Die gute Nachricht: Solche Kräfte müssen fachlich nicht zwingend „bei null“ anfangen oder jahrelang nachqualifiziert werden. Vielmehr braucht es gezielte, modulare Qualifizierungen, die auf vorhandenen Kompetenzen aufbauen und Fachwissen dort vermitteln, wo es im Alltag wirklich gebraucht wird.

Qualifizierungen, die in den Alltag passen

Für viele Quereinsteiger reicht zunächst eine solide, berufsbegleitende Grundqualifikation, die Sicherheit im Tagesgeschäft gibt und bei Bedarf später weiter ausgebaut werden kann. Ein Beispiel: Der Zertifikatslehrgang Immobilienverwalter/in (IHK) am EBZ Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft bietet einen Einstieg für Mitarbeitende ohne immobilienwirtschaftliche Vorbildung. In rund zwölf Monaten lernen Teilnehmende nach Wunsch online oder in Präsenz alles Wesentliche für die berufliche Praxis in der Wohnungs- und Immobilienbranche – von rechtlichen Grundlagen über kaufmännische Abläufe bis hin zu konkreten Fallbeispielen aus der Miet- und WEG-Verwaltung. Die Inhalte sind speziell für Berufstätige und Quereinsteiger konzipiert, die sich strukturiert und ohne Überforderung neues Wissen aneignen möchten. Ergänzend dazu bietet das EBZ eine kompakte Prüfungsvorbereitung auf die IHK-Zertifizierung zur/ zum „Zertifizierten Verwalter/ in“ gemäß § 26a WEG an. Der Kurs bereitet mit einem viereinhalbtägigen Online-Seminar und einem E-Learning-Modul gezielt auf die Zertifizierungsprüfung vor – mithilfe einer Lern-App, einer Simulation der mündlichen Prüfung sowie Wiederholungen zentraler Inhalte nach dem DIHK-Rahmenplan. Das Zertifikat ist ein gesetzlich gefordertes Nachweisdokument, das für viele Verwaltungsaufgaben verpflichtend ist. Wichtig zu wissen: Der Zertifikatslehrgang ersetzt diese IHK-Zertifizierung nicht, vermittelt aber praxisnah und nachhaltig das notwendige Fachwissen, um Aufgaben in der Miet- und WEG-Verwaltung souverän zu übernehmen. Im besten Fall greifen beide Formate ineinander. Absolventinnen und Absolventen des Zertifikatslehrgangs können am vorbereitenden Qualifizierungsprogramm zudem vergünstigt teilnehmen.

§ 26a WEG: Wer ist betroffen und was bedeutet das für Quereinsteiger?

Seit 1. Dezember 2023 gilt im Wohnungseigentumsgesetz die Verpflichtung, dass in vielen Eigentümergemeinschaften ein „zertifizierter Verwalter“ bestellt wird. Das ist in § 19 Abs. 2 Nr. 6 in Verbindung mit § 26a WEG geregelt und betrifft alle Verwalterinnen und Verwalter, aber ganz besonders Neueinsteiger und solche, die bisher ohne formale Qualifikation gearbeitet haben. Wer künftig Verwaltertätigkeiten übernehmen will, muss durch eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) nachweisen, über die erforderlichen Kenntnisse in Recht, Technik und kaufmännischen Bereichen zu verfügen.

Bildungswege mit Perspektive: vom Einstieg zum Aufstieg

Wer einmal erfolgreich den Einstieg in die Branche geschafft hat, will oft mehr, und das sollten Verwaltungen nicht nur zulassen, sondern gezielt fördern. Denn dem Fachkräftemangel kann durch Personalentwicklung entgegengewirkt werden. Das EBZ bietet daher neben kompakten Zertifizierungslehrgängen und Qualifizierungsprogrammen auch berufsbegleitende Studiengänge wie den Bachelor „Real Estate“ und weiterführende Masterprogramme an, mit denen auch Quereinsteiger langfristig in Fach- und Führungsrollen hineinwachsen können. Durch ihre praxisnahe Didaktik und den starken Bezug zur Branchenrealität bieten die Studiengänge optimale Voraussetzungen für die berufliche Entwicklung. Für Unternehmen bedeutet das: Sie können neue Mitarbeitende gezielt fördern und langfristig an sich binden. Für Quereinsteiger wiederum bietet sich die Chance auf einen fundierten Neustart.

Fazit

Wer heute in Qualifizierung investiert, gewinnt morgen Fachkräfte. Der Wandel in der Immobilienverwaltung ist da und er wird bleiben. Neue gesetzliche Anforderungen, digitale Prozesse, komplexe Eigentümerstrukturen – all das verlangt nach qualifizierten Mitarbeitenden. Doch statt auf die „perfekte“ Bewerbung zu warten, sollten Verwaltungen den Mut haben, Potenziale zu erkennen und diese systematisch auszubauen. Quereinsteiger sind kein Kompromiss, sondern oft eine Bereicherung. Vorausgesetzt, man gibt ihnen das richtige Rüstzeug mit. Das EBZ steht Unternehmen dabei als verlässlicher Bildungspartner zur Seite – von der kompakten Grundqualifikation bis zum akademischen Abschluss. So wird der Mangel zur Chance und der Berufseinstieg zur Karriere.

VDIV Aktuell Autor - Christian Kesselring
Kesselring, Christian

Stellvertretender Leiter 
EBZ Akademie, Bochum
www.ebz-akademie.de