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Vor wenigen Wochen saß ich bei einem Wellness-Konzern. Der Tenor des Gesprächs: „Frau Roeske, wir brauchen mehr Skills. Unsere Führungskräfte funktionieren nicht, obwohl sie schon viel bekommen haben.“ Was bereits versucht wurde? Kompetenzstufen, Persönlichkeitsmodelle, Nine Levels ... Das Ergebnis? Nichts hatte sich geändert. Diese Situation ist symptomatisch – auch in Immobilienverwaltungen: Führungskräfte sammeln Tools und Trainings, doch die erhoffte Veränderung bleibt aus. Der Grund liegt oft nicht im Mangel an fachlichen Kompetenzen, sondern an fehlender emotionaler Intelligenz.
Mit der zwischenmenschlichen Führung ist es wie mit den unterschiedlichen Zugabteilen eines ICE. Im Speisewagen herrscht ständiges Kommen und Gehen – oberflächliche Begegnungen. Das Familienabteil ist chaotisch, und die erste Klasse bietet Struktur, Ruhe und Raum zum Durchatmen.
Das Interessante daran: Der Zug ist technisch derselbe. Die Schienen sind dieselben. Das Ziel ist dasselbe. Aber das Erleben ist völlig anders. Führungskräfte gestalten den Wagon für ihr Team.
Wir brauchen nicht noch mehr Skills. Was fehlt, ist emotionale Intelligenz als Lebensstoff zwischen all den kognitiven Führungs-Tools. Denn für Excel-Tabellen geht niemand durchs Feuer – für Menschen schon. Wir sprechen daher von den vier Säulen der Gefühlsarchitektur:
Menschen stürmen noch mit der Kaffeetasse in der Hand aus dem Haus, hetzen von Termin zu Termin. Die Kalender sind voll, und die „Wasserbilanz“ liegt bei einem Liter, weil man zu beschäftigt ist, um zu merken, dass man längst hätte etwas trinken sollen. In der Immobilienverwaltung kennt man das nur zu gut: Eigentümerversammlungen vorbereiten, Handwerker koordinieren, Mieteranfragen bearbeiten – und dabei völlig vergessen, selbst durchzuatmen.
Die Wahrheit ist: Wenn der „Muskel“ der Selbstwahrnehmung nicht trainiert ist, wie sollen wir dann andere Menschen wahrnehmen, wo das nicht einmal bei uns selbst klappt? Dann merken wir nicht, dass ein Mitarbeiter eine Pause bräuchte, weil das Gehirn nicht mehr leistungsfähig ist. Dann merken wir nicht, dass ein Konflikt im Raum steht, der die Produktivität unten hält, egal wie viele Tools wir zu ihrer Steigerung einsetzen.
Selbstwahrnehmung funktioniert wie ein GPS: Wer nicht weiß, wo er selbst steht, kann seinem Team keine Richtung geben.
Nur wahrzunehmen, ich flippe gleich aus, und dann doch hochzugehen wie eine Rakete – damit ist niemandem geholfen. Selbststeuerung heißt: Gefühle lenken, nicht unterdrücken.
Gute Führungskräfte sind wie Thermostate: Sie regulieren das Klima im Team. Kennen Sie Führungskräfte, die in kritischen Situationen die Fassung verlieren? Kunde droht abzuspringen, Projekt brennt – und statt Ruhe reinzubringen, werfen sie das Feuerholz noch obendrauf. Am Ende ist nicht nur das Projekt verbrannt, sondern gleich das ganze Team.
Die entscheidende Frage: Sind Sie ein Thermometer oder ein Thermostat? In kritischen Momenten hilft: „Wie geht’s leichter?“ Diese Frage lenkt von der Emotion zur Lösung.
Susanne, Führungskraft eines Konzerns, pflegte ihre demenzkranke Mutter und pendelte täglich 700 Kilometer zwischen Berlin und Karlsruhe. Sie war müde und ausgelaugt – aber sie sprach nicht darüber. Ihr Team bemerkte nur: Sie wirkte abwesend, war gereizter. Im Team begann das Getuschel: „Vielleicht will sie weg.“ Susanne stand vor dem Verlust zweier Topmitarbeiter – nicht wegen schlechter Führung, sondern wegen mangelnder Transparenz.
Menschen merken unbewusst, wenn etwas nicht stimmt. Soziale Kompetenz bedeutet: Die unterschwelligen Signale wahrnehmen, richtig deuten und angemessen darauf reagieren.
Was hätte geholfen? Ein Satz: „Ich bin gerade privat stark belastet. Es hat nichts mit euch zu tun, aber wenn ich manchmal stiller wirke, liegt das daran.“ Dieser Satz hätte die Gerüchte gestoppt. Das Team hätte nicht mit Abwanderung reagiert, sondern mit Loyalität. Menschen sind bereit, viel zu tragen – wenn sie wissen, wofür. Beziehungsmanagement bedeutet: Konflikte ansprechen, bevor sie eskalieren. Vertrauen schaffen, damit Menschen nicht spekulieren müssen. Ehrlich sein, ohne sich zu entblößen.
Fehlendes Beziehungsmanagement kostet Produktivität, Talente und Rendite. Die Zahlen sind eindeutig: 70 Prozent der Mitarbeiter verlassen nicht das Unternehmen, sondern schlechte Führungskräfte. Gutes Beziehungsmanagement dagegen bringt Bindung – und Bindung bringt Leistung. Menschen bleiben nicht für ein Gehalt, sondern für eine Führungskraft, der sie vertrauen können. Für die Sicherheit, gesehen und verstanden zu werden.
Emotionale Intelligenz entwickelt sich durch bewusste Praxis. Selbstwahrnehmung beginnt mit Achtsamkeit: Wie fühle ich mich vor diesem Gespräch? Beziehungsmanagement zeigt sich darin, wie Führungskräfte mit Veränderungen umgehen. Transparenz schafft Vertrauen und verhindert Spekulationen.
Gefühlsarchitekten starten mit Selbstwahrnehmung, stabilisieren durch Selbststeuerung, lesen mit sozialer Intelligenz und binden durch Beziehungsmanagement. Menschen bleiben, weil sie vertrauen und verstanden werden.
Fachkompetenz bringt Menschen in den Job – emotionale Intelligenz lässt sie bleiben. Führungskräfte gestalten nicht nur den Fahrplan, sondern die Qualität der Reise. Und das ist es, was Talente bindet und Rendite steigert.
Expertin,
Speakerin für emotionale Intelligenz
www.danielaroeske.de