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Bauwirtschaft mit Auftragsplus – Wohnungsneubau bleibt trotz Trendwende weit hinter Bedarf zurück

Nach Jahren der Krise mehren sich in der Bauwirtschaft die Zeichen einer konjunkturellen Stabilisierung. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, stieg der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im November 2025 gegenüber dem Vormonat um 8,5 Prozent. Auch im Jahresvergleich ergibt sich ein Plus von 4,1 Prozent. Branchenverbände blicken daher vorsichtig optimistisch auf 2026 und rechnen mit Wachstum in nahezu allen Sparten.

Sowohl Hoch- als auch Tiefbau verzeichneten zuletzt steigende Aufträge. Im Monatsvergleich legte der Hochbau um 7,2 Prozent zu, der Tiefbau sogar um 10,1 Prozent. Besonders der Wohnungsbau zeigte nach Angaben des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe eine spürbare Stabilisierung, mit einem Auftragsplus von rund zwölf Prozent im November. Der Branchenumsatz stieg in den ersten elf Monaten 2025 preisbereinigt um 2,1 Prozent auf rund 108 Milliarden Euro, die Beschäftigtenzahl wuchs um 1,3 Prozent. Gleichzeitig mahnt die Branche verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und ausreichende Investitionsmittel für Kommunen an.

Dem positiven Auftragsbild steht jedoch eine weiterhin dramatische Lage im Wohnungsneubau gegenüber. Seit dem Hochpunkt Ende 2022 ist die Zahl der Baustarts von Wohnprojekten bis Ende 2025 um 77 Prozent eingebrochen. Für 2026 werden nur noch rund 150.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet – ein neuer Negativrekord. Um den Wohnraumbedarf zu decken, wären bis 2030 jährlich mehr als 400.000 neue Wohnungen erforderlich. Insgesamt fehlen in Deutschland derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen.

Branchenanalysten sprechen von einem endgültig erreichten Tiefpunkt, sehen aber erste Anzeichen einer Erholung. Projektentwickler beginnen wieder, Grundstücke zu erwerben, und bereiten neue Vorhaben vor. Dennoch bleibt der Bauüberhang hoch, da viele genehmigte Projekte noch nicht umgesetzt werden. Für 2026 wird daher von einem weiteren verlorenen Jahr für den Wohnungsbau gesprochen, bevor frühestens ab 2027 mit steigenden Fertigstellungen zu rechnen ist.

Unterm Strich zeigt sich ein ambivalentes Bild: Während die Bauwirtschaft insgesamt wieder mehr Aufträge erhält und Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung besteht, reicht die Dynamik im Wohnungsneubau bei weitem nicht aus, um die Wohnungsnot kurzfristig zu lindern. Ohne gezielte Impulse, schnellere Verfahren und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen droht der strukturelle Wohnungsmangel weiter zu wachsen.