Der deutsche Wohnungsmarkt wird von der Bevölkerung mehrheitlich als aus dem Gleichgewicht geraten wahrgenommen. Laut dem „Wohnraummangel-Barometer“ im Auftrag von immowelt sehen 64 Prozent der Befragten einen deutlichen Mangel an Sozialwohnungen, 63 Prozent beklagen fehlenden Wohnraum für Normalverdiener. Gleichzeitig glaubt fast jeder Zweite, dass zu viele hochpreisige Wohnungen entstehen, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigehen. Das Bild ist eindeutig: Bezahlbarer Wohnraum fehlt, während teure Neubauten vielerorts dominieren.
Die Erwartungen an die Politik sind dabei klar formuliert. Eine große Mehrheit fordert weniger neue Regulierung und stattdessen konkrete Lösungen. 86 Prozent der Befragten sprechen sich für einen leichteren Zugang zu Förderprogrammen für Wohneigentum aus, 85 Prozent wünschen sich einen stärkeren staatlichen Einsatz beim sozialen Wohnungsbau. Besonders Familien, Alleinerziehende und junge Menschen sollen gezielt unterstützt werden. Eingriffe in bestehende Wohnverhältnisse stoßen hingegen auf wenig Zustimmung. Maßnahmen wie verpflichtende Wohnraumumverteilung oder Vorgaben zum Zusammenziehen werden von der Mehrheit abgelehnt.
Stattdessen setzen viele Bürger auf einen pragmatischen Mix aus Neubau und besserer Nutzung des Bestands. Zwei Drittel befürworten, dass Kommunen leerstehende Gebäude aufkaufen und für bezahlbaren Wohnraum nutzen. Auch die verpflichtende Umwandlung leerer Gewerbeflächen in Innenstädten findet breite Zustimmung. Wohnraum soll dort geschaffen werden, wo er fehlt – ohne ideologisch geprägte Eingriffe in private Lebensentscheidungen.
Auffällig ist zudem der differenzierte Blick auf private Vermieter. 77 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass ohne private Anbieter der Wohnraummangel noch größer wäre. Die Mehrheit glaubt nicht an systematische Spekulation mit Leerstand, sondern geht davon aus, dass private Vermieter an stabilen und langfristigen Mietverhältnissen interessiert sind. Damit widerspricht die Studie verbreiteten Schuldzuweisungen deutlich.
Insgesamt zeigt sich ein wachsender Frust über politische Untätigkeit. Die Geduld vieler Bürger ist begrenzt, der Handlungsdruck steigt. Eigenheimförderung, sozialer Wohnungsbau und die Aktivierung bestehender Flächen gelten aus Sicht der Mehrheit als zentrale Hebel. Die Botschaft ist klar: Die Instrumente sind bekannt – nun wird von der Politik erwartet, sie konsequent einzusetzen.