05.12.2016 Ausgabe: 8/2016

Nicht zu überhören

Rauchwarnmelder bieten mit innovativen Funk-Technologien für jedes Objekt die passende Lösung – vernetzt bis zur Smart-Home-Anbindung.

Folgende Formulierung findet sich mittlerweile in der Landesbauordnung jedes Bundeslandes: „In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird.“ Über die Ausstattung von Schlafräumen, Kinderzimmern und als Rettungswege dienenden Fluren hinaus empfehlen viele Experten für Rauchwarnmelder, in der Wohnung generell alle Räume außer Bad und Küche mit den im Ernstfall oft lebensrettenden Geräten auszustatten. Ein guter Grund dafür ist, dass Eigentümer von vermieteten Wohnimmobilien nicht genau wissen können, wie Mieter die Räume letztlich nutzen. Beispielsweise ist es leicht möglich, dass ein zunächst als Arbeitszimmer vorgesehener Raum zum Kinderzimmer umgewidmet wird, wenn sich Nachwuchs einstellt. Auch dass eine  Wohnzimmercouch als Bett genutzt wird, soll durchaus vorkommen.

Stand-alone oder vernetzt?

Wenn ein Eigentümer sich entschieden hat, in welchen Räumen auch über die Pflicht hinaus Rauchwarnmelder angebracht werden sollen, stellt sich als nächstes die Frage, ob es sinnvoll ist, die Melder per Funk miteinander zu vernetzen, damit im Brandfall nicht nur in dem Raum alarmiert wird, in dem der Brand ausgebrochen ist, sondern auch noch in weiteren Räumen. Hierbei kommt es sehr auf die Größe der Wohnung und generell des gesamten Gebäudes an. Für viele kleinere Wohnobjekte wie beispielsweise Etagenwohnungen ist eine Ausstattung mit Stand-alone-Rauchwarnmeldern – also solchen Geräten, die im Brandfall lautstark alarmieren, aber kein Signal an andere Melder weitergeben – völlig ausreichend. Bereits in einem Einfamilienhaus stellt sich die Situation allerdings anders dar: Schlägt dort ein Rauchwarnmelder in einem weiter vom Wohn- und Schlafbereich entfernten Kellerraum oder auf dem Dachboden Alarm, so können die Bewohner, insbesondere wenn sie schlafen, dies leicht überhören. Aber auch in solchen Objekten lässt sich mit vernetzten Funk-Rauchwarnmeldern eine flächendeckende Alarmierung erreichen. Wenn einer der vernetzten Melder Rauch detektiert, so gibt er nicht nur selbst Alarm, sondern leitet zudem per Funk ein Signal an alle Melder seines Funknetzes weiter. Auch diese alarmieren sodann die Bewohner lautstark.

Gezielte Alarmierung bestimmter Bereiche

Hiermit sind die Möglichkeiten, die Funkvernetzung heute bieten kann, allerdings noch lange nicht ausgereizt: Mit modernen Funk-Rauchwarnmeldern lassen sich bei Einsatz des entsprechenden Funkmoduls Netze mit mehreren Linien und Sammelalarmlinien installieren. Dies erlaubt es, auch weitergehende Anforderungen an die brandschutztechnische Absicherung größerer Objekte wie etwa Mehrfamilienhäuser zu erfüllen. In Mehrfamilienhäusern beispielsweise ist es oft gewünscht, dass, wenn in einer Wohnung ein Brand ausbricht, nur die Melder in der vom Brand betroffenen Wohnung und im als Fluchtweg dienenden Treppenhaus alarmieren. Wenn hingegen im Treppenhaus ein Brand ausbricht, sollten die Melder in allen Wohnungen anschlagen. Solche Alarmszenarien lassen sich mit der Bildung einer Linie pro Etagenwohnung und einer Sammelalarmlinie in Treppenhaus und Keller realisieren. Detektiert in einer der Wohnungen ein Melder Rauch, so leitet er den Alarm an sämtliche in der betreffenden Wohnung installierten Melder und an die Melder der Sammelalarmlinie weiter – alle diese Melder schlagen daraufhin an und alarmieren die Bewohner. Detektiert dagegen ein zur Sammelalarmlinie gehöriger Melder im Treppenhaus Rauch, dann wird dieser Alarm sowohl an alle Melder der Sammelalarmlinie als auch an die Melder aller Linien weitergegeben – die Bewohner aller Wohneinheiten werden alarmiert. Bei entsprechend konstruierten Meldern verstummen nach Quittieren des Alarms an einem der Rauchwarnmelder alle Melder bis auf den, der ursprünglich Rauch detektiert hat. So lässt sich der Brandherd genau lokalisieren. Die Funktechnik bietet hier viele Möglichkeiten – wie das Funknetz eingerichtet wird und welcher Melder in welchem Fall anschlägt, muss den Gegebenheiten vor Ort entsprechend für jedes Objekt sorgfältig individuell geplant werden, damit am Ende wirklich eine lebensrettende, sinnvolle Lösung steht.

Rauchwarnmelder im Smart Home

Auch eine Vernetzung nicht nur von Meldern untereinander, sondern darüber hinaus mit dem Smart Home wird mit Rauchwarnmeldern der neuesten Generation möglich werden: Über einen zentralen Datenknoten lassen sich alle Informationen der Rauchwarnmelder bündeln und mit einem Smart-Home-System vernetzen. So können im Alarmfall lebensrettende Aktionen automatisch erfolgen, die das schnelle Verlassen des Hauses unterstützen: Fluchtwege werden beleuchtet, Jalousien und Rollläden automatisch hochgefahren und über die Audioanlage Hinweise über den genauen Ort des Feuers gegeben. Zudem können Geräte, die mögliche Brandherde sein könnten, automatisch abgeschaltet werden. Darüber hinaus erschließen sich mit solchen Lösungen vielfältige neue Möglichkeiten zur Brandschutz-Optimierung. So ist auf diesem Weg jederzeit der Fernzugriff auf das gesamte Melder-Netzwerk für Status- und Störungsmeldungen möglich. Zudem lassen sich damit auch alle Alarme auf mobile Endgeräte übertragen und dort auswerten, weiterleiten und quittieren.


Mögliches Alarmszenario im Mehrfamilienhaus: Wenn ein Melder in einer Wohnung auslöst, gehen die Melder in dieser Wohnung und die Melder der Sammelalarmlinie in Treppenhaus und Keller in Alarmzustand. Löst ein Melder im Keller oder Treppenhaus Alarm aus, gehen die Melder sämtlicher Linien in ­Alarmzustand.

Bildquelle: Hekatron


Autor Weiterbildung Immobilienverwalter VDIV Deutschland
Häring, Jan

Leiter Produktmanagement Rauchwarnmelder-Systeme bei Hekatron
www.hekatron.de